Wie du eine KFZ-Werkstatt eröffnest
Viele Mechaniker denken darüber nach, sich selbstständig zu machen und ihre eigene KFZ-Werkstatt zu eröffnen – sei es, weil der Chef ständig die falschen Entscheidungen trifft, man sich seine Arbeit flexibler einteilen möchte, oder weil das schon immer das Ziel war. Hier die wichtigsten Überlegungen für dein Vorhaben.
Selbstständig als Mechaniker
Der Spruch „Selbst und ständig arbeiten“ trägt viel Wahrheit in sich. Vom Mitarbeiter zum Unternehmer zu werden ist eine extreme Umstellung – viele unterschätzen die Menge an zusätzlichen Aufgaben, mit denen man sich vorab meist überhaupt nicht auseinandergesetzt hat. Neben der eigentlichen mechanischen Arbeit muss ein Werkstattbetreiber unter anderem das hier bewältigen:
- Buchhaltung, Finanzprüfung, Liquiditätsplanung
- Verrechnung: Rechnungen schreiben und Preise kalkulieren
- Angebote erstellen
- Beschaffung von Ersatzteilen
- Lagerverwaltung
- Kundenbetreuung
- Werbung, Kundenakquise, Verkauf
- Arbeitsvorbereitung & Zeiteinteilung
- Telefondienst & Mailverkehr
- Arbeitssicherheit, Ordnung, Sauberkeit, Ersthelfer, Mutterschutz & Brandschutz
- Investitionsentscheidungen für Geräte, Zubehör, Software, Werkzeug, Maschinen
- Behördenkontakt, Inspektionen und Audits
Das alles und mehr muss sich neben der eigentlichen Arbeit noch zeitlich unterbringen lassen. Mach dir bewusst: Die Stunden, die du direkt als Arbeit verkaufen kannst, machen nur einen Teil deiner Arbeitswoche aus.
Freie Werkstatt oder Markenwerkstatt?
In Österreich, Deutschland und der Schweiz gibt es über 30.000 Werkstätten – davon ist knapp die Hälfte frei. Im DACH-Raum eröffnen jeden Tag mehrere neue Werkstätten mit unterschiedlichen Spezialisierungen. Überleg dir gut, welche Dienstleistungen du anbieten möchtest:
- Spezialisierst du dich auf einen Bereich?
- Welche Stärken bringst du mit?
- Wo genau möchtest du eröffnen?
- Wie ist die Lage – an einer stark befahrenen Straße oder eher abgelegen?
- Welche Mitbewerber befinden sich im näheren Umkreis?
- Welche Dienstleistung wird in deiner Umgebung noch nicht angeboten, die du anbieten könntest?
Kosten realistisch einschätzen
Genaue Überlegungen zur finanziellen Machbarkeit sind vorab unbedingt notwendig. Die Kosten sehen für jeden Gründer anders aus: Manche starten mit einem eigenen Gebäude, andere mieten, wieder andere beginnen ihre unternehmerische Reise mit einer Baustelle. Die Investition in ein professionelles Auftreten solltest du trotzdem sehr ernst nehmen – sie kann für deinen wirtschaftlichen Erfolg eine wesentliche Rolle spielen.
An folgende Dinge unbedingt denken:
- Gebäude (Miete, Kauf, Bau)
- Werkstatteinrichtung (Werkzeug, Messgeräte, Hebebühne)
- Lager (Regale, Fässer, Boxen)
- Größere Maschinen (Reifen-Montiermaschine, Prüfstände, Lackierboxen)
- Sanitäreinrichtungen (Toiletten, Waschbereich)
- Büromöbel (Tische, Schränke, Sessel)
- Buchhaltung
- Grundlegendes Marketing (Logo, Homepage, Flyer …)
- Reinigung (Reinigungskraft, Reinigungsausrüstung)
- Abfallentsorgung (Container, Behälter)
- Strom, Internet, Telefon, Heizung, Wasser & Abwasser
Businessplan – sinnvoll oder unnötig?
Oft wird der Businessplan nur als lästiges Dokument gesehen, das von Banken gefordert wird, wenn man Geld braucht. Er zwingt aber auch dazu, sich über sämtliche Bereiche der Selbstständigkeit Gedanken zu machen. Dazu gibt es viele nützliche Vorlagen, in denen alle wichtigen Aspekte aufgelistet sind und mit den eigenen Informationen ergänzt werden müssen.
Natürlich gibt es auch erfolgreiche Unternehmer, die nie einen Businessplan geschrieben haben – die Erfolgschancen sind aber deutlich höher, wenn du dir vorher genau überlegst, wie die ersten Jahre ablaufen sollen. Für einen Techniker ist es verständlicherweise nicht alltäglich, sich mit Finanziellem, Marketing und den eigenen potenziellen Kunden zu beschäftigen – genau das muss ein selbstständiger Unternehmer aber können, um mit seiner Firma durchzustarten.
Voraussetzungen und Auflagen
Auch die staatlichen Vorschriften sind umfassend. Diese Themen solltest du vor der Eröffnung deiner eigenen KFZ-Werkstatt klären:
- Gewerbeberechtigung (Infos dazu bei der WKO)
- KFZ-Meister
- Auflagen zur Betriebsstätte
- Anmeldung bei der WKO
Nicht immer ist dafür ein KFZ-Meisterbrief notwendig – mehr dazu in unserem Artikel Werkstatt ohne Meisterbrief eröffnen.